In die Natur
Besuch bei Knut
Montag 20. Dezember 2010. Als ich, wegen der widrigen Strassenverhältnisse, erst um 12.30 Uhr den Zoo betrat, kamen mir zwei Knutfreundinnen entgegen, die, obwohl durchgefroren, glückselig lächelnd verkündeten: Wir haben i h n gesehen. Mit eigenen Augen. Zusammen mit Tosca. Im Wasser haben sie getollt. Das war sooo süüüss! Und jetzt? Jetzt ruhe er sich aus.

Besuch bei Knut
Eine Fotoreihe von 34 Bilder (öffnet in ein neues Fenster).
So war's. Dazu hatte er die Ecke links unten gewählt. Nicht dass diese Platzwahl mich überrascht hätte. In seiner zurückhaltenden Art gab er mir nach der Begrüssung zu verstehen, dass er auf Animation warte.
Meine Versuche, ihn mit Schneebällen zu erreichen, endeten kläglich. Ich konnte noch nie weiter als drei Meter weit werfen, bei einer Streuung von ca. 90 Grad. Knut schaute betrübt. Da nahte Rettung. Junge kräftige Männer aus Italien, sie sahen sportlich und motorisch geschickt aus und ich versuchte sie zu überreden. Sie guckten ungläubig. Sie hätten noch nie von Schneeball spielenden Bären gehört.
Im Schnelldurchgang erzählte ich das Wichtigste aus Knuts Leben und dass er gewohnt sei, mit Besuchern Schnauzball oder Schneeball zu spielen. Einer der jungen Italiener warf, und die anderen fotografierten. Schnell war Knuts Interesse geweckt. Knut fixierte die Bälle, fing sie auf oder suchte sie, um sie dann zu verspeisen. Leider mussten die Italiener weiter. Sie bedankten sich für die neuen Erkenntnisse und verabschiedeten sich artig von uns (ciao, grazie, che bello!).

Was nun? Knut guckte enttäuscht den jungen Männern nach und warf mir einen Blick zu, den ich nicht aushielt. Ich gab auf und ging ins Affenhaus, um mich aufzuwärmen und mit meinen ungeeigneten Armen zu hadern. Als ich wiederkam, sah ich schon an der Menschenmenge, dass sich was getan haben musste. Tosca unternahm einen Spaziergang zu Knuts Eck, gefolgt von Nancy, die sich über die glatten Steine hievte. In freundlicher Absicht!
Die Begegnung verlief aufs Erfreulichste, was Ihr den Bildern entnehmen könnt. Als Kati auftauchte, lief Knut in die rechte Ecke, verfolgt von den Damen, die ihren Spielgefährten nicht so rasch entkommen lassen wollten. Bei Kati fauchte er, aber ansonsten schien Knut nicht unerfreut zu sein über den Besuch der gewichtigen Damen.
So richtig schön wurde es aber, als er schliesslich während der beginnenden Dämmerung der alleinige Herr des Territoriums war. Er bearbeitete den Tannenbaum, bis der keinen Widerstand mehr leistete, nicht ohne sich zu vergewissern, dass Kati, Nancy und Toska in sicherer Obhut waren. So verlebten wir doch noch einen schönen Nachmittag in und vor Knuts Gehege.
Bleibt die Frage, was wir werfen können, wenn kein Schnee mehr liegt? Bekanntlich soll sich ja im Zoo und besonders bei den Bären alles zum Besseren wenden. Und so wird Knut uns bestimmt bald einen schönen, in Gewicht und Griffigkeit genau passenden Ball über den Zaun schmeissen. Oder uns seine anderen neuen, wunderbaren Gerätschaften vorführen. Denn Knut liebt die Herausforderungen, und wer wüsste das besser als die einsichtigen und unermüdlich um das Wohlbefinden der Tiere besorgten Experten des Zoos!


